poetische Kurzfilme

Eine Auswahl, die vom Wasser handelt.

Die kurzen Filme entstanden als künstlerisches Recycling von Archivmaterial des Künstler:innenkollektiv KOMBINAT kombiniert Tanz und Film. Verschiedene Filmkünstler:innen waren eingeladen, im Archiv zu stöbern, um sich inspirieren zu lassen – zu kurzen Arbeiten, die ohne Worte ganz eigene Geschichten erzählen.

Alle Filme können mit Sound oder stumm gezeigt werden, auch in Begleitung von Live-Musik.

Seltsame Fische

In der Brille einer Taucherin spiegeln sich abstrakte Muster. Sie taucht ab in eine Welt absurder Schönheit. Trainierte Körper schnellen aus dem Wasser, wälzen und wirbeln voller Energie in einem psychedelisch anmutenden Muster. Schon beim Dreh mit den Olympioniken aus Potsdam schwammen die Sportler choreografische Figuren. Filmeditor Gabriel Marques de Souza treibt diese Bewegungskunst durch seine Montage auf die Spitze. Durch mehrfache Spiegelung komponiert er eine Welt, die einerseits vollkommen künstlich ist und andererseits perfekt das dokumentiert, was Menschen im Wasser machen: Sie bilden Muster aus der Freude, sich selbst zu spüren.

HD 1080p, stereo, 2:47 min

Editor: Gabriel Marques de Souza
Musik: Cristobal Tapia de Veer & Kim Neundorf (Nutzungsrechte tbc)

Aether

Klares Wasser ist schwer zu sehen. Es zeigt sich oft nur indirekt. Spiegelungen verraten, wo die Oberfläche verläuft – im wahrsten Sinn des Wortes. Filmeditor Armano Forster nimmt Aufnahmen vom letzten Einlass des Wassers in das ehemalige Schwimmbad am Brauhausberg, Potsdam, zu einer meditativen Studie über die Unbezwingbarkeit des vielleicht prägendsten Bestandteils des Blauen Planeten. Der kurze Film, in Schwarz-Weiß gehalten, lädt dazu ein, die Perspektive auf Wasser gleich mehrfach zu wechseln, bis auch schwere, langsame, dunkle Flüssigkeiten an das Liquide allgemein und die grundsätzliche Wandelbarkeit allen Seins denken lassen.

HD 1080p, stereo, 3:08 min

Filmeditor: Armano Forster
Sound: Armano Forster

Kon·s·tel·la·ti·on

Dieser Film beobachtet die Bahnen, die Zugvögel über einer Flusslandschaft ziehen. Der Film erlaubt sich, die Flugbahn mancher Tiere wie einen Kondensstreifen nachzuzeichnen. So nimmt der Blick Abstand von der Formation, die die Gruppe bildet. Stattdessen wird die organisch bewegte, bisweilen erratisch korrigierte Bewegung deutlich, wie sie beim Schweben durch die drei Dimensionen der Luft entsteht. Indirekt erinnert der Film an die umfassende Dichte der Atmosphäre, die fliegende Tiere verlässlich trägt. Wie Fische im Wasser bewegen sie sich quicklebendig in einem Medium. Wir stehen am Ufer, mit Bodenhaftung und sehnsuchtsvollem Blick.

HD 1080p, stereo, 3:00 min

Editor: Andy Schumacher
Sound: Andy Schumacher

bored Bademeister

Sommer. Freibad. Keine Wellen. Keine Gäste. Der Bademeister patrouilliert, sinniert, vertreibt sich die Zeit. Wirkt er skeptisch? Hat er Zweifel? Ist etwas mit dem Wasser, dass niemand darin badet – dass auch er nur am Rand bleibt? Auf dem Sprungturm scheint des Bademeisters Vergangenheit als Balletttänzer durch. Elegant erinnert er ein Exercise… und springt. Editorin Luise Klepper gestaltet eine Elegie des Wartens an einem sonst pulsierenden Ort. So gelingt ihr eine wunderbare Meditation über das Nicht-Selbstverständliche im Alltäglichen.

HD 1080p, stereo, 3:41 min

Editorin: Luise Klepper
Musik: Tobias Unterberg

Invasion

Sonnenlicht spielt auf den Wellen. Singvögel präsentieren friedliche Melodien. Doch die Gänse sind alarmiert. Industrielle Sounds brechen in die Idylle. Geschundene Landschaft, aufgewühltes Blattwerk: Im Tagebau durchziehen endlose Förderbänder die Lausitz; andere Bänder transportieren ebenfalls organische Materie. Sie wurde zu Zeitungspapier verarbeitet, zum Träger nachrichtlicher Verarbeitung von Wirklichkeit. Wie greifen all diese Dynamiken, diese Energien in Bewegung ineinander – zu Lande, zu Wasser und in der Luft? Editorin Finja Schroetter hält sich nicht an die Grenzen konventioneller Betrachtungsweisen. In ihrer Montage clashen sonst getrennt gedachte Wirklichkeiten in mehreren Wellen ineinander. 

HD 1080p, stereo, 3:52 min

Editorin: Finja Schroetter
Sound: Finja Schroetter

Knapp

Spannung pur. Ein Fadenkreuz und Objekte in Bewegung. Ein Fesselballon treibt auf die Zielmarke zu. Ein Schwarm ziehender Wildgänse fliegt wie zufällig am Visier vorbei. Eine Rudergruppe im Vierer umschifft das stoische Ziel. Ahnen sie die bedrohliche Beobachtung? Wissen wir, wie knapp wir an Katastrophen vorbeischrammen – täglich, stündlich, minütlich, fast immer? Sollten wir die Präkarität alles Lebendigen mehr würdigen? Oder ist die Unbekümmertheit die größte Wertschätzung des Lebens? In dem kurzen Film, in der Ästhetik eines Schwarz-Weiß-Negativs, wirft Editor Maxim Mladzinau existentielle Fragen auf – nicht zuletzt die größte aller Fragen: Warum geht die gefährlichste Bedrohung von uns und unserer Technik aus?

HD 1080p, stereo, 2:03 min

Editor: Maksim Mladzinau
Sound: Maksim Mladzinau

Produktion

Konzept und künstlerische Leitung:
Paula E. Paul und Sirko Knüpfer

Produktion:
KOMBINAT kombiniert Tanz und Film UG.